Suche

Abschlussbericht - "FrühstücksZeit"

Umsetzung des Pilotprojektes „FrühstücksZeit“

Das Projekt „FrühstücksZeit“ war auf 1 Jahr angelegt.
Start für das Projekt war der 30.8.2010 zum Schulbeginn 2010/2011.

Information des Lehrerkollegiums

Vor Beginn des Schuljahres 2010/2011 (Mai 2010) wurden alle LehrerInnen bei einer Lehrerkonferenz über das Vorhaben „FrühstücksZeit“ informiert und der Beschluss gefasst, dass in allen Klassen das Thema „Essen und Trinken“ in den Unterricht eingebracht werden sollte. Zur Unterstützung bei der Themenfindung und Umsetzung haben alle LehrerInnen die Gesund macht Schule - Mappe „Essen und Ernährung - Küche, Kochen und Kultur“ erhalten und an einer kollegiumsinternen Fortbildung „Essexperimente / Pausenbrote“ (September 2010) teilnehmen können. Bei der Lehrerkonferenz wurde auch der Flyer vorgestellt, mit dem die Eltern über die „FrühstücksZeit“ informiert werden sollten. Anregungen wurden dabei aufgenommen und in den endgültigen Flyer eingearbeitet. Auch wurden im Vorfeld die KlassenlehrerInnen mithilfe eines anonymen Fragebogens befragt. Hintergrund des Fragebogens war, in Erfahrung zu bringen, wie die LehrerInnen die Frühstücksversorgung ihrer Schüler einschätzen und wie hoch die Akzeptanz der Durchführung der „FrühstücksZeit“ unter den LehrerInnen war. Befragt wurden die KlassenlehrerInnen der Stufen 1 – 3. (insgesamt 8 Lehrerinnen, 1 Lehrer). Die damaligen Klassenlehrerinnen der 4. Klassen wurden nicht befragt, da die Schüler im Projektjahr zu weiterführenden Schulen wechseln sollten.

Das Ergebnis der 9 Fragebögen zeigt, dass nach Einschätzung der Lehrer 25 Prozent der Schulkinder (47 Kinder von 189 Kindern) regelmäßig bzw. manchmal hungrig in die Schule kommen. Das Pausenfrühstück der Kinder wurde von den LehrerInnen mit der Note befriedigend bewertet.

Bei der Einstellung der LehrerInnen zum Pilotprojekt konnte durch den Fragebogen festgestellt werden, dass die LehrerInnen „froh über die Möglichkeit sind, dass ihre Schulkinder vor dem Schulbeginn etwas essen können“, jedoch finden Sie es auch sehr wichtig, „dass die Eltern motiviert werden, den Kindern ein Frühstück zuzubereiten - das kann nicht die Aufgabe der Schule sein“. Gerade diese Antwort zeigt, dass die Akzeptanz des Pilotprojekts zu dieser Zeit noch ambivalent war.

Information der Eltern

Für die Elterninformation hatte die Ärztekammer Nordrhein mit der AOK Rheinland/Hamburg einen Flyer (siehe Anhang) erstellt. Dieser Flyer wurde vor Beginn der Projektphase den Eltern der damals zukünftigen Erstklässler mit einem Infoschreiben der Schule beim „Kennenlerntag“ übergeben. Auch wurde bei dem Einschulungstag der Erstklässler durch die Organisatoren der „FrühstücksZeit“ ein Frühstücksbüffet angeboten, bei dem über das Angebot der „FrühstücksZeit“ informiert wurde. Die Eltern der Kinder aus den Klassen 2. bis 4. wurden über die Schule mit einem Schreiben und beigefügtem Flyer informiert.

Dokumentation und Auswertung der Befragung der 3. und 4. Klassen

Die Befragung der 3. und 4. Schulklassen erfolgte zu Beginn der Pilotphase. Mithilfe eines standardisierten anonymen Fragebogens wurden die Kinder zu ihren Frühstücksbräuchen und Frühstücksvorlieben befragt. Der Fragebogen hatte zwei Themenblöcke: Fokus des ersten Themenblocks war das Frühstücksverhalten der Kinder zu Hause. Im zweiten Block wurden Fragen zum Pausenbrot/Frühstück in der Schule gestellt.

Durch die KlassenlehrerInnen wurden die Eltern über die Befragung informiert und gebeten, ihr schriftliches Einverständnis zu geben. Es wurden 92 Kinder (45 Mädchen / 47 Jungen) von insgesamt 122 Kindern der KGS Untereicken befragt. Bei der Auswertung wurden sowohl zwischen den Kindern der 3. und 4. Klassen als auch geschlechterspezifische Unterschiede deutlich. So gaben 68 Prozent der Jungen an, in der Regel zu Hause zu frühstücken, bei den Mädchen waren es 55 Prozent. Damit decken sich diese Zahlen mit den repräsentativen Befragungen aus der KIGGS-Studie und der AOK Familienstudie 2011.

Von den befragten Mädchen und Jungen gaben ca. 50 Prozent an, dass sie gerne vor der Schule frühstücken, nur ca. 10 Prozent der Kinder frühstücken ausgesprochen ungern vor der Schule. Bei der Abfrage, was Kinder zu Hause frühstücken, wurde mit Abstand am häufigsten ein Brot mit Wurst (Salami, Schinken …) genannt (50 Prozent). Die übrigen Kinder essen morgens Müsli (16 Prozent) oder Cornflakes (23 Prozent). Fünf Kinder gaben an, nie zu Hause zu frühstücken. Bei dem Frühstücksgetränk wurde am häufigsten Wasser (40), gefolgt von Milch (29) und Kakao (20) genannt.

Obst und Gemüse wurden nicht als Bestandteile des Frühstücks genannt, wurden aber von 35 Prozent der Mädchen zum Pausenbrot mitgenommen. Bei den Jungen gaben 15 Prozent an Obst /Gemüse zum Pausenfrühstück mitzunehmen.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Befragung lieferten die Antworten zum Pausenbrot und zeigten z. B., dass längst nicht alle Kinder sich ihr Frühstück beim Bäcker/Kiosk kaufen. 39 Prozent der Jungen gaben an, ihr Pausenfrühstück immer von zu Hause mitzunehmen, 55 Prozent der Jungen nahmen abwechselnd ihr Pausenbrot von zu Hause mit oder kauften es sich auf dem Weg zur Schule, nur 6 Prozent der Jungen kauften sich das Pausenbrot regelmäßig vor der Schule beim Bäcker/Kiosk. Bei den Mädchen ergab sich ein leicht anderes Bild. 53 Prozent der Mädchen nahmen ihr Pausenbrot immer von zu Hause mit, 40 Prozent der Mädchen nahmen abwechselnd ihr Pausenbrot von zu Hause mit, oder kauften es sich auf dem Weg zur Schule und 7 Prozent kauften sich das Pausenbrot regelmäßig vor der Schule beim Bäcker/Kiosk.

Zum Schluss des Fragebogens wurden die Kinder nach ihrem Lieblingsfrühstück befragt und gebeten, es aufzumalen. Auch hier zeigte sich, dass Schinken-, Wurst- und Salamibrote in der Gunst der Kinder ganz oben stehen. Interessant war, dass ein Drittel (33 Kinder) der Kinder sich mehr Gemüse (Gurke, Tomate und Salat) und/oder Obst (Apfel, Bananen und Trauben) zum Frühstück wünschten.

Um etwas über die Einstellung der Kinder zum Thema Essen erfahren zu können, wurde gefragt, was den Kindern beim Essen im Allgemeinen besonders wichtig ist. Die Kinder konnten aus 6 Antwortmöglichkeiten wählen (siehe Anhang Fragebogen). Mehrfachnennungen bei den Antworten waren nicht möglich. Aufschlussreich ist, dass die Mehrzahl der Mädchen und Jungen für wichtig befanden, dass „Essen gesund sein muss“. Auf Platz zwei antworteten die Mädchen, „dass es ihnen wichtig ist, in Gemeinschaft zu essen“. Die dritthäufigste Antwort der Mädchen war „dass es wichtig ist, dass sie beim Essen satt werden“.

Ein etwas anderes Bild ergaben die Antworten der Jungen (45 Antworten). Bei ihnen folgte an zweiter Stelle die Antwort „dass es wichtig ist, dass das Essen gut schmeckt“. Aber auch die Jungen „finden es wichtig, in Gemeinschaft zu essen“, diese Antwort erreichte die dritthäufigste Nennung.

Sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen spielte das schöne Aussehen des Essens die geringste Rolle.

Dokumentation und Auswertung des MontagMorgenMampfs

Im Schuljahr 2010/2011 fand insgesamt 37-mal der MontagMorgenMampf als Frühstücksangebot an der KGS Untereicken statt. Durch die Dokumentation der Frühstücksbetreuerinnen (Frau Maaßen, Sonderpädagogin der Schule) und Frau Jansen (ehrenamtliche Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes Mönchengladbach) konnte festgehalten werden, dass zu Beginn im Durchschnitt 8 Kinder montags vor dem Unterricht zusammen mit den Betreuerinnen das Frühstück zubereiteten und frühstückten. Jedoch sank die Zahl nach den Winterferien stark ab. Aus diesem Grund wurde mit dem Lehrerkollegium ein Termin vereinbart, an dem die Ergebnisse der Befragung der 3. und 4. Klassen präsentiert wurden. Durch die Ergebnisse der Umfrage konnte den LehrerInnen aufgezeigt werden, dass die Kinder genaue Vorstellungen von ihrem Frühstück/Pausenbrot haben und auch viel über ein gesundes Frühstück wissen. Durch diese Rückkopplung konnten die LehrerInnen erkennen, dass ihre Ernährungserziehung und Wissensvermittlung bei den Kindern ankommt.

Aufgrund dieser Information hat das Lehrerkollegium beschlossen, dass die 1. Klassen mit einer „Pausenbrotfortbildung“ klassenweise den MontagMorgenMampf besuchen sollten und die LehrerInnen der übrigen Klassen ihre Schüler auf das Frühstücksangebot verstärkt aufmerksam machen sollten. Nach diesem Termin stieg die Zahl der MontagMorgenMampf Teilnehmer auf einen Durchschnitt von 12 Kindern an.

Fazit

Die Ergebnisse der Befragung der Schulkinder liefern den LehrerInnen (und Eltern) Antworten zu den Vorlieben und Gewohnheiten der Kinder zum Frühstück. Sie zeigen, dass Kinder genaue Vorstellungen über ein Frühstück haben und auch viel über ein gesundes Frühstück wissen und sich z.B. mehr Rohkost zum Frühstück/Pausenbrot wünschen. Auch die Information, dass Kinder in Gemeinschaft essen möchten, ist ein Ansatzpunkt, den die Schule bei einer gelingenden Gesundheitserziehung aufgreifen sollte.


Durch die Ergebnisse der Befragung der LehrerInnen wird deutlich, dass das Thema Ernährung nicht ohne Elternunterstützung getragen werden kann und eine dauerhafte Umsetzung in der Schule nur mit Unterstützung der Elternschaft möglich ist. Das Thema kann nicht von den LehrerInnen alleine getragen werden.

Aufgrund der Vorstellung der "FrühstücksZeit" bei der Einschulung der 1. Klassen, konnten Eltern motiviert werden, aktiv den MontagMorgenMampf im 2. Jahr zu unterstützen. Daher wurde zum Abschluss der Pilotphase von den LehrerInnen in Übereinkunft mit den Vertreterinnen der Elternpflegschaft beschlossen:

  • dass je eine Mutter/ein Vater zur Unterstützung mit Frühstücksbetreuerinnen den MontagMorgenMampf mit unterstützt (Aufstellen einer Elternliste).
  • dass regelmäßig z. B. am Einschulungstag die Eltern der Erstklässler bei einem Frühstücksbüffet des MontagMorgenMampfs über das Angebot informiert werden.
  • regelmäßige Treffen mit Elternvertretern, der Patenärztin und dem Kinderschutzbund stattfinden
  • das Thema „Essen und Trinken“ als festen Bestandteil des Schulunterrichts zu etablieren
  • Treffen des Gesundheitszirkels (Lehrer, Eltern und Patenärztin) zu Schuljahresbeginn

Aus organisatorischen Gründen wird das Frühstücksangebot von Montag auf Mittwoch (MittwochMorgenMampf) verlegt. Von Seiten des Kinderschutzbundes Mönchengladbach wurde eine weitere einjährige Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Unterstützung durch eine ehrenamtliche Hilfe zugesagt. Ein nochmaliger Flyerdruck zur „FrühstücksZeit“ wurde von der Ärztekammer Nordrhein und der AOK Rheinland/Hamburg ebenso wie eine „Pausenbrotfortbildung“ der 1. Klassen zugesagt und umgesetzt.

Ein zukünftiges Ziel der Schule ist es, mit Hilfe der Eltern ein regelmäßiges Frühstücksangebot für die Pause aufzubauen.

Kommentar

Das Thema „Essen und Ernährung“ in einer Grundschule mit einem Frühstücksangebot zu etablieren, erfordert von dem Lehrerkollegium ein gemeinsames Arbeiten auch mit der Elternschaft. Ein positives Ergebnis kann nur erreicht werden, wenn alle Beteiligten sich bereit erklären, Zeit in das jew. Projekt zu investieren, sich regelmäßig bei einem Treffen mit Eltern, der Patenärztin und dem Kinderschutzbund auszutauschen und neue Ideen/Erkenntnisse miteinander zu teilen. Aus diesem Grund ist es auch der KGS Untereicken am Ende gelungen, ein erfolgreiches Ernährungsprojekt zu verwirklichen, das alle LehrerInnen zusammen mit den Eltern und den außerschulischen Partnern (Patenärztin und Kinderschutzbund Mönchengladbach) tragen.

Düsseldorf, Februar 2012