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Kreative Ideen aus den Regionen

Bewegungsstunden und Zirkusspiele

Die kleine Gemeinschaftsgrundschule Struck in einem Remscheider Außenbezirk liegt günstig: Schulhof, Spielplatz, in der Nähe ein Wald und ein Freizeitgebiet bieten Kindern abwechslungsreiche Bewegungsmöglichkeiten. Die 101 Schüler der vier Klassen sind mit Rollbrettern und Co. für aktive Pausen gerüstet, zusätzlich zu den Sportstunden sorgen vier Lehrer und zwei stundenweise eingesetzte Kollegen für regelmäßige Bewegungsphasen im Unterricht. Dennoch: Vermehrt fallen den Pädagogen Kinder mit motorischen Defiziten auf. Eingangsuntersuchungen zeigen Schwächen sogar schon bei künftigen Erstklässlern.

"Wir wollten daher den Schülern mehr Bewegungserfahrungen ermöglichen", erklärt die kommissarische Schulleiterin Karin Schüllner. "Das Projekt von AOK Rheinland und Ärztekammer Nordrhein kam dazu wie gerufen." Für die praktische Umsetzung bot sich MOPS e.V. an. Der Wuppertaler Verein für Motopädagogik und Psychomotorik suchte über das Sportamt der Stadt eine Möglichkeit, neue Ideen zur Bewegungsförderung umzusetzen. Finanzier für den Schulterschluss mit MOPS war die Sportstiftung Remscheid.

Gut vorbereitet In der Vorbereitungsphase führten MOPSMitarbeiter die Lehrer in die Psychomotorik ein. Auf einem Elternabend stellten Kollegium, MOPS e.V. und Patenarzt Dr. Bertram Ott (Interview auf Seite 4) das Projekt und die Bedeutung von Bewegung vor. Fragebögen gaben Lehrern und Psychomotorikern Einblick in das Freizeit- und Bewegungsverhalten der Kinder, durch die Beobachtung von kleinen Übungen konnten sie ihre Bewegungsfähigkeit einschätzen. Die Daten halfen, Auffälligkeiten Einzelner zu berücksichtigen und die Projektarbeit auszuwerten.

Drei Monate später begann die praktische Arbeit mit 23 Kindern der ersten Klasse. Für 13 Bewegungsstunden kam Carola Sluminsky, Sportlehrerin und Mitarbeiterin von MOPS e.V., von März bis Juli in die Schule.Themen der Spielund Übungseinheiten waren Körperwahrnehmung, Bewegung, Entspannung, Sinneswahrnehmung und Teamarbeit. Begeistert schlüpften die Kinder dabei in verschiedene Rollen und erkundeten neue Bewegungen und Sinneserfahrungen. An den übrigen Wochentagen integrierte Klassenlehrerin Schüllner Teile der Übungen in ihre Stunden. Auch Kollegen übernahmen Anregungen.

Im Schuljahr 2003/04 führen Schule und Verein das Projekt gemeinsam fort. Im zweiten Schuljahr lernen die Kinder Yoga, ihre Nachfolger steigen mit dem Erstklässlerprogramm ein. Die Hälfte von ihnen ist über eine Kindertagesstätte bereits vorbereitet. "Die Kinder waren und sind mit viel Freude dabei", resümiert Karin Schüllner. "Sie bewegen sich besser und lieber, nehmen beliebte Spiele der Übungsstunden mit in die Pausen, Sinneswahrnehmung und Teamfähigkeit haben sich ebenfalls verbessert."

Ansprechpartner Schule
Karin Schüllner,
Tel. (0 21 91) 34 06 54.

AOK Rheinland, Regionaldirektion Remscheid
Christian Brück,
Tel. (0 21 91) 91 72 84.

So ein Zirkus!

Die fünf Lehrer der einzügigen Katholischen Grundschule Beeckstraße in Aachen entschieden sich aus ähnlichen Gründen wie ihre Remscheider Kollegen für das Gesundheitsprojekt. "Umfragen unter Schülern und Beobachtungen in den Klassen zeigten:Viele Kinder bewegen sich zu wenig, können zum Beispiel hier im Stadtzentrum zu selten draußen spielen", beschreibt der verantwortliche Lehrer Johannes Menne. "Wir haben zwar ein gutes Sportangebot und sorgen für bewegten Unterricht. Aber wir wollten die Kinder mit dem Schwerpunkt "Bewegung und Entspannung" noch gezielter stärken."

In der Praxis gingen sie jedoch einen anderen Weg: Die Aachener Pädagogen beschlossen, im Schuljahr 2002/03 mit allen 80 Schülern ein Zirkusprojekt durchzuführen. Das Thema Zirkus bot sich an, weil es zahlreiche kindgerechte Bewegungsformen zulässt, die sich spielerisch umsetzen lassen. Die Kinder wählten ihre Rollen und übten sie in Projektwochen und im Sportunterricht ein. Die Aufführung von "Zirkus Mario" in der Schulaula zeigte Akrobatik und Tanz bis hin zur "Raubtierdressur". Insgesamt zog sich das Bewegungsprojekt mit drei Vorstellungen im Januar und im August wie ein roter Faden durch das Schuljahr.

Werbung für den Sport

Zusätzlich nutzten die Aachener Pädagogen die im Projekt angebotenen Fortbildungen und setzten Anregungen aus den Unterrichtsmaterialien der Ärztekammer Nordrhein und der AOK Rheinland im Schulalltag um.Auch die Vermittlung einer Patenärztin an die Schule setzte positive Impulse – besonders in der Elternarbeit. Erfreulich viele Eltern kamen zum Infoabend der Medizinerin zum Thema Bewegung und Entspannung. Ärztin und Lehrer warben auf dem Elternabend auch für die örtlichen Sportvereine. Ebenfalls weitete die Schule über die Projektbeteiligung ihr Bewegungsangebot für die Pausen aus und behandelte das Thema "Bewegung" auch im Sprachunterricht.

Für die Schule war das Projekt ein voller Erfolg: "Die Kinder fanden es toll, Bewegung in einem konkreten Themenzusammenhang zu erleben", bilanziert Johannes Menne. "Viele sind über die Bewegung nicht nur im Sport, sondern auch in ihren anderen problematischen Fächern besser geworden. Einige haben sogar neue Talente in sich entdeckt und interessieren sich jetzt auch in ihrer Freizeit dafür, etwa für Tanz." Gleichzeitig hat die klassenübergreifende Zirkusarbeit den sozialen Zusammenhalt aller Schüler untereinander gestärkt – für die Schule mit einem Ausländeranteil von fast 90 Prozent ein wichtiger Schritt.

Auch im Schuljahr 2003/04 gehören Bewegungsideen zum Unterricht. Da die Schule jetzt ganztätig geöffnet ist, erweitert sie ihr Angebot: Zweimal in der Woche veranstaltet ein Sportlehrer in der Turnhalle Ballspiele und Judo. Das neue Schwerpunktthema im Rahmen des Förderprojektes ist 2004 auf Wunsch vieler Eltern "Ernährung".

Ansprechpartner Schule
Johannes Menne,
Tel. (02 41) 4 93 50

AOK Rheinland, Regionaldirektion Aachen
Heinz Heuerz,
Tel. (02 41) 4 64-2 56

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