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Zum 10 jährigen Jubiläum eine "Vision" - Wie muss Schule zukünftig organisiert sein

Wie muss Schule zukünftig organisiert sein, um alle Kinder zu fördern, Eltern zu unterstützen und Lehrkräfte zu entlasten? Fragen an Prof. Dr. Peter Struck, Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg.

Herr Prof. Struck, wann sollte Schule starten?

Förderung ist am effektivsten, wenn sie früh beginnt. Deshalb sollten Drei- und Vierjährige in die Vorschule bzw. den Kindergarten gehen, Fünfjährige in die Schule. Dort sollten sie morgens und mittags eine Mahlzeit erhalten, die nach den modernsten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen zubereitet ist.

Sie plädieren für eine Ganztagsschule. Warum?

Die Ganztagsschule kann Lern- und Leistungsphasen von Kindern besser nutzen. Aus der Hirnforschung ist bekannt, dass Kinder bei einem sehr fein komponierten Wechsel von An- und Entspannung aufnahmefähiger sind und Gelerntes sich besser verfestigt. Auch die Länge der Lernphasen spielt eine Rolle. Die Forschung zeigt: Kinder lernen Fremdsprachen am besten in 10-Minuten-Portionen, Naturwissenschaften in 3-Stunden-Einheiten. Um das zu berücksichtigen, braucht man Ganztagsschulen und eine freiere Zeiteinteilung.

Was bedeuten diese Erkenntnisse für Eltern?

Die meisten Eltern neigen dazu, ihre Kinder so lernen zu lassen, wie sie selbst früher gelernt haben: sitzend, konzentriert, und das über Stunden. Heute wissen wir, dass Kinder sich vor und nach einer intensiven Lernphase bewegen sollten, Musik machen oder malen sollten. Das sichert den Lernerfolg mehr, als wenn sie nach dem Lernen zur Entspannung Fernsehen gucken. Auch werden Kinder heute anders groß und brauchen in einer medialen, vernetzten Welt andere Fähigkeiten. Schule muss diese Änderungen für die Eltern erklären. Alle Eltern zu erreichen, erfordert neue Konzepte wie zum Beispiel Elternstammtische oder Hausbesuche.

Eine Ganztagsschule setzt eine andere Ausbildung von Lehrkräften voraus. Welche Inhalte würden Sie formulieren?

Wir sollten Lehrkräfte zu Lernberatern und Coachs ausbilden. Dazu brauchen wir eine andere Lehrerausbildung mit Pflichtbestandteilen wie Bewegungs- und Ernährungserziehung, Gewalt- und Suchtprävention. Auch sollten sie Auffälligkeiten bei Kindern erkennen können. Lehrende müssen zudem wissen, wie Kinder eigenständig, voneinander und mit unterschiedlichen Materialien lernen. Das klingt anspruchsvoll, ist aber entlastend: Wenn Kinder selbstständiger lernen, gewinnen Lehrkräfte Zeit, sich einzelnen Kindern zu widmen oder Lernmaterialien vorzubereiten.

Was können Präventionsprogramme wie Gesund macht Schule beitragen?

Sie sind ein wertvoller Ideenpool und bringen bereits gute Erfahrungen in den Alltag ein, etwa in den Bereichen Ernährung und Bewegung. Diese Praxiserfahrungen gilt es dauerhaft in der Schulorganisation zu verankern.

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Zukunft Schule

Prof. Dr. Peter Struck

Erziehungswissenschaftler

Universität Hamburg